Nelson Mandela – ähh Ayo

Ich bin Nelson Ayo aber man nennt mich Nelly oder seit Neustem auch Wili. Peter hat mir diesen Spitznamen verpasst, nach dem Countrysänger Willie Nelson. Ich bin 21 Jahre alt, und arbeite tagsüber als Sicherheitspersonal im Bassari Kinderheim. Doch es gibt nicht allzu viel Arbeit als Wachmann. Die Hunde Malala und Mahatma haben den Ruf „kali sana“ (sehr scharf) zu sein (was natürlich Blödsinn ist) und übernehmen meinen Job. Deshalb erledige ich auch andere Aufgaben rund ums Haus. Ich arbeite im Garten und halte das Gelände sauber, denn die zwei Wazungu (Weißen) Peter und Yvonne mögen keinen Abfall oder viel Laub auf der Wiese. Schon ein Sodadeckel oder Bonbonpapierchen bringt Misses Boss zur Weißglut. Ich verstehe zwar nicht genau, warum das so schlimm ist, aber das ist nicht so wichtig, ich mache meine Arbeit.

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Nelly mit seinem älteren Bruder

Mein Zuhause ist nur 5 Minuten zu Fuß vom Kinderheim entfernt. Wir sind zu neunt – Eltern, vier Brüder und drei Schwestern. Ich bin der Viertgeborene, also mittendrin. Dazu kommen eine Kuh, vier Ziegen, ungefähr zehn Hühner und ein Hund. Er heißt Cheetah (Gepard). Ich weiß, das ist kein besonders kreativer Name. Hier heißen so gut wie alle Hunde entweder Cheetah oder Simba (Löwe) aber das ist mir egal.

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Cheetah

Als Kind hatten wir noch keinen Strom Zuhause. Seit ein paar Jahren haben wir jedoch einen Anschluss und ich bin froh, den Akku meines Handys jederzeit laden und abends lesen zu können. Einen Anschluss ans Dorfwasser haben wir mittlerweile auch, doch nur ein kleines Fass, in dem wir das Wasser speichern können. Die großen Wassertanks sind zu teuer.

Mein Vater arbeitet schon seit 16 Jahren als Nachtwächter in einem Baugeschäft im 4 Kilometer entfernten Leganga. Er geht jeden Abend zu Fuß hin und morgens wieder zurück. Er arbeitet sieben Tage die Woche und wenn er nach Hause kommt wartet die Feldarbeit auf ihn.

Ich hoffe, eines Tages einen besseren Job zu haben und meine Familie gut versorgen zu können. Am liebsten würde ich Koch werden. Es gibt viele Hotels in der Region, in einem davon würde ich gerne arbeiten. Doch die Colleges, in denen man offiziell Koch lernen kann, sind sehr teuer. Meine Eltern können mir finanziell nicht helfen. Deshalb bin ich froh, diesen Job im Bassari Kinderheim zu haben, auch wenn ich zum Teil um 6 Uhr in der Früh beginnen muss. Um diese Uhrzeit sollte man noch in seinem Bett liegen!!

Besonders mag ich die Arbeit im Gemüsegarten. Die Wazungu haben Gemüsesamen aus Deutschland mitgebracht. Unter anderem Radieschen. Ich dachte erst, das seien Zwiebeln. Als sie dann reif waren zum Ernten, war ich enttäuscht. Der Geschmack ist so scharf, sie schmecken mir absolut nicht. Auch sonst schmeckt mir nicht alles, was Misses Boss kocht. Sie zerstampft Avocados, mischt sie mit Tomaten und Knoblauch und nennt das ganze „Guacamole“. Ekelhaft, das geht gar nicht. Was ich hingegen gerne mag, sind Spaghetti und die Kuchen, die sie bäckt. Am liebsten mag ich den mit Zitronen.

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Nelly mit seinen Ziegen

Insgesamt gefällt mir die Arbeit und ich mag die zwei Hunde sehr. Mit Peter verstehe ich mich besonders gut und manchmal zeigt er mir auch Sachen in seiner Werkstatt. Ich durfte ihm beim Bau des Wächterhäuschen helfen und zuschauen, wie er die vielen Möbel baute. Doch manchmal bin ich nicht so sorgfältig und dann ärgert er sich. Aber hamna shida (kein Problem), hier in Tansania geht’s nicht so genau. Das wird er auch noch lernen.

Er lehrte mich auch ein paar Wörter auf Deutsch. Ich grüße ihn nun in der Früh mit „Guten Morgen“ oder im Allgäuer Dialekt „Griaß di“. Sprachen, d.h. Englisch, habe ich schon in der Schule gerne gemocht aber bis ich ins Bassari Kinderheim kam, konnte ich es kaum anwenden und üben.

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Gemüsebeet im Bassari Kinderheim

Es gibt auch Situationen, in denen die zwei Wazungu von mir lernen können. Z.B. kennt Yvonne die 20 verschiedenen Bananen Sorten noch immer nicht und kann eine Ndizi Ngombe nicht von einer Ndizi Uganda unterscheiden. Ich sag ihr dann, welche sie für welche Gerichte nehmen soll. Auch so fragen sie mich immer mal wieder, wie es denn für den Stamm der Meru so üblich ist und ich erkläre ihnen unsere Sitten und Bräuche.

Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden und vielleicht, vielleicht nimmt mich Peter eines Tages mal mit nach Deutschland und dann kann er mir die deutsche Kultur erklären. Neugierig wäre ich schon…

 

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