Malala & Mahatma

Ohne Kinder fühlt es sich noch recht leer an auf unserem Anwesen. Wir wollten dem Bassarihaus schon mal etwas Leben einhauchen bis die ersten Kinder ankommen und beschlossen, zwei Hunde aufzunehmen. Über verschiedene Ecken hörten wir von dem Tierheim „Mbwa wa Africa“, das von deutschen Hundeliebhabern geführt wird und nicht weit von uns entfernt ist. Wir warfen also einen Blick auf ihre Internetseite und tatsächlich schauten uns da viele treue Hundeaugen entgegen, die auf ein neues Zuhause warteten.

Unser Mitgefühl für die Tiere überkam uns und wir scrollten uns zügig durch die Hundefotos durch. Schnell war klar, wir wollten zwei junge Hunde, die miteinander spielen können. Und dann sahen wir die zwei: Malala und Mahatma. Zwei Geschwister deren Mutter kurz nach dem Werfen von einem Unbekannten mit einem Buschmesser attackiert wurde. Ihr Vorderbein wurde völlig verstümmelt. Mbwa wa Africa rettete sie und ihre Puppies. Das Bein musste zwar amputiert werden, doch sie erholte sich zum Glück und heute geht es ihr und auch den Jungen gut.

 

MalalaMahatma
Mahatma und Malala

 

Malala und Mahatma. Peter und Yvonne sind beide große Gandhi Fans und von seinem Leben und Einstellung sehr berührt. Mahatma bedeutet große Seele. Diesen Ehrennamen erhielt Gandhi im Laufe seines gewaltlosen Widerstands gegen die britische Kolonialherrschaft vom indischen Volk. Was für ein schöner Name! Und Malala heißt das pakistanische Mädchen, das von den Taliban schwer verletzt wurde. Es hörte nicht auf, für die Rechte der Mädchen aufzustehen und ging weiterhin zur Schule, obschon es von den Taliban verboten wurde. Eine starke junge Frau, die mittlerweile den Friedensnobelpreis verliehen bekam. (Ihr Buch ist übrigens sehr empfehlenswert.) Zwei sehr inspirierende Persönlichkeiten. So war die Auswahl der Hunde also schon getroffen, bevor wir sie persönlich gesehen hatten.

Es ist eine schöne Aufgabe, Hunde zu halten. In ihre treuen Augen zu schauen, sie zu streicheln, mit ihnen Gassi zu gehen und eine Beziehung zu ihnen zu entwickeln. Doch für uns sind sie nicht nur ein Hobby. Einerseits dienen sie uns zusätzlich als Wachhunde. Sie würden zwar keiner Fliege etwas zuleide tun, doch die meisten Tansanier fürchten sich so gewaltig vor Hunden, dass sie sogar um unsere zwei süßen Puppies einen riesen Bogen machen. Einbrecher klopfen deshalb hoffentlich lieber erst bei unserem Nachbarn an, bevor sie es bei uns versuchen. Doch das ist bloß ein netter Nebeneffekt.

 

Spazieren
Spazieren mit Malala zwischen den Maisfeldern

 

In erster Linie geht es uns nämlich darum, dass die Kinder bei uns mit Tieren aufwachsen und einen gesunden Bezug zu ihnen aufbauen. Leider werden viele Tiere in Tansania sehr schlecht behandelt. Insbesondere solche, die keinen direkten Nutzen wie z.B. Milch bringen. Es ist keine Seltenheit, dass Hunde eingesperrt auf weniger als einem Quadratmeter leben müssen ohne Wasser und ohne die Möglichkeit sich großartig zu bewegen. Etwas besser geht es den Hunden, die Tag ein Tag aus an einer Kette verbringen müssen. Doch richtig glücklich sind auch diese nicht. Zum Fressen erhalten sie Essensreste, doch häufig reichen die nicht aus, um sie satt zu bekommen. Sie werden als „Wachhunde“ gehalten und sollen möglichst „kali“, d.h. scharf oder aggressiv sein. Was sie tatsächlich bewachen sollen, ist nicht immer klar. Die meisten Leute im Dorf besitzen ja nicht viel mehr als das, was sie am eigenen Körper tragen. Solche Hunde sind völlig verstört und ängstlich aber in den seltensten Fällen aggressiv. Mbwa wa Africa rettet viele Hunde aus ihrem Elend und leistet viel Aufklärungsarbeit insbesondere auch in Schulen für Kinder. Doch es ist nicht einfach, solche festgefahrenen Meinungen über Tiere zu ändern.

Deshalb wollen wir den Kindern im Bassari Kinderheim früh schon beibringen, dass auch Tiere unseren Respekt verdienen. Wir müssen sie ja nicht unbedingt mit ins Bett nehmen, wie es manche im Westen tun, doch wir Menschen haben die Aufgabe, uns um die Tierwelt zu kümmern. Wir erziehen die Kinder im Bassari Kinderheim zu selbstständigen Erwachsenen, die sich ihrer Verantwortung bewusst sind und sie auch tragen können, insbesondere auch im Bezug auf Tiere und Natur.

Zu unserem Glück arbeitete zum Zeitpunkt als wir die Hunde aufnahmen Esme, eine Hundeexpertin aus Australien, im Tierheim. Sie besuchte uns zweimal und gab uns hilfreiche Tipps mit auf den Weg. Innert kürzester Zeit verwandelten sich die zwei aufgedrehten Wildfänge in ruhige, tiefenentspannte Engel. Naja, meistens zumindest 😉 Vielen Dank Esme für dein Wissen und deine Erfahrung, die du mit uns geteilt hast. Wir werden sie so gut wir können weiter verbreiten.

 

Kinder_Hund
Esme führt Hunde und Kinder zusammen.

 

Mittlerweile hatten wir erste Erfolgserlebnisse auf unseren Spaziergängen im Dorf. Kinder und auch Erwachsene, die anfangs noch mit zwei Meter Abstand an uns vorbei gelaufen sind, trauen sich nun schon näher und die Mutigsten unter ihnen können nicht widerstehen, die zwei zu streicheln. Anfangs noch zögerlich, doch letztendlich liebt es jedes Kind, mit den Händen durch das weiche Hundefell zu fahren und die Freude in den Augen der Hunde zu sehen. Besonders Mahatma ist ein großer Genießer und kann gar nicht genug bekommen.

Die tansanischen Verhaltensmuster mit Tieren können wir zwar nicht von heute auf morgen ändern, doch Mbwa wa Africa und seit neuestem auch wir zeigen der Bevölkerung in unserer Umgebung, dass es auch andere Möglichkeiten gibt, Hunde zu halten. Viel mehr können wir nicht tun. Doch hoffentlich kommen auch sie bald auf den Geschmack, wie erfüllend es ist, ein glückliches Tier zu halten.

 

Pauline
Anfangs konnten die Hunde für Paulina nicht weit genug entfernt sein, nach Esme´s Training führte sie stolz Malala Gassi. 

 

Mbwa wa Africa (Hunde von Afrika) vermittelt nicht nur Hunde und Katzen an neue Besitzer, sondern führt auch großflächig Tollwutimpfungen und Sterilisationen durch. Mehr Infos zur Organisation und ihre Dienste findet ihr auf: http://mbwa-wa-africa.org/

3 Gedanken zu “Malala & Mahatma

  1. Danke fuer das update. Es ist super dass die Kinder Hunde als Beziehungspartner kennenlernen duerfen. Das ist ja dort oftmals schwierig, da die Hunde vorallem in manchen Religionen als unrein angesehen werden. Alles Gute, viel Kraft und Gottes Segen fuer eure Arbeit.

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    1. Ja, Hunde haben es nicht nur leicht in dieser Gegend. Gerade gestern meinte ein ca. 15-jähriges Mädchen todernst, sie sehe bei uns nun das erste Mal, dass wir den Hunden Wasser zum Trinken geben. Sie hätte nicht gewusst, dass Hunde Wasser benötigen.
      Man kann ihr nicht mal böse sein, denn sie wusste es wirklich nicht besser. Niemand hat ihr je gesagt, dass auch Hunde Wasser brauchen. Tja, jetzt weiss sie es 😉 Und hoffentlich sagt sie es noch vielen weiter.

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