Vom Säger zum Fundi

 

Seit Anbeginn unserer Projekte in Afrika wollten wir am liebsten selbst mit unseren eigenen Händen mitarbeiten. Lange sollte es dauern bis wir selber mitanpacken konnten. Jetzt ist es soweit: Peter und sein handwerkliches Geschick sind mehr gefragt den je.

Als Einstieg wählte Peter ein kleines Projekt: Der Bau eines Holzhäuschens für unsere Wächter. Nichts Außergewöhnliches und doch sollte es einen stabilen und ansehbaren Unterstand geben. Beim Einkauf der Materialien fängt die Geschichte an. Peter als Säger wollte selbstverständlich sein Holz direkt bei einem tansanischen Säger einkaufen. Einen guten Kilometer von der Hauptstraße entfernt fanden wir das „Sägewerk“: Eine mehr oder weniger mobile Kreissäge und ein halbes Dutzend Kerle werkelten daran herum. Es machte einen Rumpel und die Säge kam zum Stillstand. Ein uraltes Schweißgerät war zur Stelle, das durch ein haarsträubendes, selbstgebasteltes Verlängerungskabel an den Strom angeschlossen war. Doch erstaunlicherweise konnte damit innert kurzer Zeit die kaputte Antriebswelle geschweißt und die Säge wieder zum Laufen gebracht werden.

Säge1

Als Laie nimmt man das so hin aber Peter der Experte schüttelte bloß den Kopf. Längst hatte er die krummen und verzogenen Bretter gesehen. Längst hatte er erkannt, dass die Säge deutlich gezeichnet vom groben Umgang war. Doch das sind innerbetriebliche Schwierigkeiten, da mischen wir uns nicht ein. Wichtiger in dem Moment war uns, geeignetes Holz für unsere Hütte zu finden. Da Holz in Tansania relativ teuer ist, entschieden wir uns für Holz zweiter Wahl. Für ein Wächterhäuschen reichte das völlig aus. Doch war dies tatsächlich Holz zweiter Wahl? Oder doch eher fünfter oder sechster Wahl? Astig, krumm, verzogen, patschnass und das immer noch zu einem stolzen Preis. Jedes Brett, Kantholz oder sonst was kostetet gleich viel. Unabhängig davon ob lang oder kurz, breit oder schmal, krumm oder sehr krumm. Peter fühlte sich immer mehr in seiner Berufsehre angekratzt. Wir suchten uns also die ergiebigsten und besten Bretter aus dem Haufen raus und verhandelten einen einigermaßen vernünftigen Preis. Immerhin bekamen wir zwei Baumstumpfe gratis dazu, die wir nun als Gartentische verwenden.

Säge2

Weiter brauchten wir Schrauben. Nicht ganz einfach in einem Land, in dem alles genagelt zu sein scheint. Nach einigen Handwerker „Geschäftchen“ fanden wir endliche welche in Arusha. Kein Vergleich zu den Spax in Deutschland aber immer noch besser als Nägel.

Endlich ging die tatsächliche Arbeit los. Die Blicke der Schaulustigen waren anfangs noch sehr skeptisch. Keiner konnte sich wirklich vorstellen, was Peter sich in seinem Kopf ausgemalt hatte. Er sägte und schraubte und schon bald standen die Seitenwände.

Fundi1

Nelly half ihm beim Einbetonieren der Pfosten. Hier wird der Zement üblicherweise mit Sand direkt auf dem Boden angerührt und dann mit der Schaufel dorthin gebracht, wo er gebraucht wird. Um die Drecklerei zu vermeiden und sich weniger bücken zu müssen, mischte Peter das Ganze in einer Schubkarre. Für Nelly völlig unverständlich. So unverständlich es für uns ist, das Ganze mühsam auf dem Boden anzumischen. Culture clash unter Fundis (Swahili für jede Art von Handwerker).

Hütte

Handwerker haben ja auch in Deutschland nicht unbedingt den Ruf, die Saubersten zu sein Doch sie können sich im Vergleich zu ihren tansanischen Kollegen ein Kränzchen binden. Nelly wollte die Pfosten wohl besonders gut einbetonierten und so landete Zement an den Seitenwänden hoch bis auf Hüfthöhe. Ihm schien das jedoch gar nicht aufzufallen. Vielleicht befanden sich die Flecken ja außerhalb seines Blickfelds?! Um die Flecken wieder gut zu machen, legte sich Peter weiter ins Zeug und dekorierte den Ortgang ganz im Allgäu Look mit einer Holzverkleidung.

Um abschließend die Hütte vor Termiten zu schützen, pinselten wir die unterste Reihe Holz mit altem Motoröl ein. Anscheinend mögen diese kleinen Mistviecher (sie haben uns bereits unsere Gartentischchen angeknabbert) den Geruch des Öls nicht und halten sich dann davon fern. Eigentlich hätten wir von der Zementgeschichte lernen sollen und Nelly keinen Pinsel in die Hand geben sollen. Doch es war schon zu spät: Ein kohlrabenschwarzer Fleck zierte die schön geschliffenen Ablage. Zum Glück gibt’s Schleifpapier, mit dem Nelly seinen Patzer rasch beheben konnte.

Hutte2

Das erste Projekt lässt sich sehen und Peter wird nun respektvoll „Fundi Peter“ gerufen, wenn er mit seinen Hosenträger und Arbeitshose unterwegs ist. Unser Nachbar Titers meinte sogar, das wäre das schönste Wächterhäuschen weit und breit. Doch es hat Peter auch einige Nerven gekostet: Vom krummen Holz, zu den nigelnagelneuen Schrauben, die schon krumm aus der Packung kamen, zu unseren „Gehilfen“, die noch viel lernen müssen, bis sie tatsächlich eine Hilfe sind. Doch jetzt ist aller Ärger vergessen. Peter und Nelly sind wieder bzw. noch immer gute Freunde und freuen sich schon aufs nächste gemeinsame Projekt.

 

 

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2 Gedanken zu “Vom Säger zum Fundi

  1. Hahaha, Find ich einfach super amuesant, da ich hier viele Gleichheiten zur nigerianischen Arbeitsweise entdecken kann.!!!

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