Wasser – das wertvolle Nass

Die Region um den Mount Meru ist grundsätzlich mit ausreichend Wasser gesegnet. Und nicht nur das: Das Wasser ist auf Grund der vulkanischen Bodenbeschaffenheit von hervorragender Qualität. Seitdem wir unser Hahnenwasser auf verschiedene Parameter testen ließen, sind auch wir davon überzeugt. Alle getesteten Parameter entsprachen den Normen der WHO. Die Wassermenge und –qualität wären also im Grunde kein Problem. Die Schwierigkeiten beginnen bei der Infrastruktur: Zu wenige und zu kleine Reservoir, um die Wassermengen zu speichern, und zu marode Wasserleitungen.

Wassertank
Hamza kontrolliert den Wasserpegel im Tank

Normalerweise werden zwei Mal pro Woche die Hähnen des Dorfwassers aufgedreht und jeder kann seinen Tank und Eimer füllen. Als wir im Februar ins Bassarihaus einzogen, war die Region jedoch von einer starken Dürre befallen. Die großen Tanks oben am Berg waren leer, die Dorfbewohner mussten ihr Wasser an Bohrlöcher holen. Auch wir waren gezwungen, Wasser zu kaufen. Zum Glück konnten wir uns die Lieferung per Pickup leisten und mussten nicht jeden einzelnen Eimer nach Hause schleppen. Und doch versuchten auch wir so gut wie möglich unseren Wasserverbrauch zu reduzieren. So duschen wir bis heute mithilfe eines Eimers und achten darauf, nicht mehr als 5 Liter pro Person zu brauchen.

Eimer
Wassersparendes Duschen mit Eimer

Nach Einsetzen der Regenzeit floss auch das Dorfwasser wieder und jeder freute sich über das wertvolle Gut. Doch schon bald darauf erreichte uns das Wasser erneut in nur unregelmäßigen Abständen. Mehrmals hatten wir Kontakt zu Jonas, der Wasserbeauftragte für unser Dorf. Das Hauptproblem unseres Quartiers ist, dass die Hauptleitung einen viel zu kleinen Durchmesser hat, um den Bedarf aller Anwohner zu decken. Der Druck ist sehr gering und reicht nicht aus, um alle Tanks zu füllen. Das führt dazu, dass Haushalte illegal zusätzliche Anschlüsse ans Dorfwasser anbringen. Erlaubt wäre einer pro Haushalt, doch viele haben drei oder gar vier. Die Behörden kommen zwar zur Kontrolle und entfernen die nicht zugelassenen Anschlüsse. Doch sobald sie wieder fort sind, stellen die Anwohner wieder den Status quo her. Ein schier unlösbares Problem.

2tanks
Um den Wasserdruck bestmöglich auszunutzen, ist ein Reservetank unterirdisch.

Vor kurzem haben auch wir diese Dreistigkeit zu spüren bekommen. Zwei Wochen davor sanierte Jonas zusammen mit freiwilligen jungen Männer vom Dorf die Leitungen. Pläne gibt es nicht, deshalb brachte Jonas ein paar alte Männer mit. Sie waren schon beim Verlegen der ersten Wasserleitung dabei und sollten sich nun alle Abzweigungen, Kurven und Anschlüsse erinnern. Sie kontrollierten also alle Rohre und kamen auch bei uns vorbei. Zu diesem Zeitpunkt lief relativ viel Wasser und wir konnten ohne Schuldgefühle auch unsere Blumen und Spinat gießen. Doch die zwei Wochen danach erreichte uns kein einziger Tropfen Wasser mehr. Es waren zwei Beerdigungen im Dorf, ein Grund für die Dorfverwaltung den Wasserhahn zusätzlich aufzudrehen, doch bei uns kam nichts an. Das Ganze kam uns spanisch vor. Wir fragten bei unseren Nachbarn nach. Und dann hörten wir es: Ein Tag nach der Sanierungsaktion hätten wohl ein paar an der Wasserleitung bei unserem Anschluss gegraben. Schnell war auch bekannt, wer es war. Im Dorf kennt jeder jeden und weiß alles über seine Nachbarn. Wir checkten also selbst unseren Anschluss und tatsächlich, als wir die Leitungen freigelegt hatten, war unser Rohr abgekappt und mit einem Maiskolben geblockt. Der Übeltäter war bei Jonas rasch verpetzt und ihm blüht jetzt ein persönliches Gespräch beim Bürgermeister. Zumindest hat er unsere Verbindungsteile fein säuberlich aufbewahrt und uns zurückgegeben.

Tank_füllen
Mühsam wird das gelieferte Wasser angesaugt und in den Reservetank geleitet.

Kurzfristig war das Wasserproblem wieder gelöst. Doch schon bald drauf begann die Kaffeeernte und die Kaffeekooperative im Dorf benötigt nun das gesamte Wasser für die Verarbeitung der Kaffeebohnen. Wir Dorfbewohner gehen wieder einmal leer aus. Es bleibt uns also nichts anderes übrig, uns Wasser liefern zu lassen. Erst jetzt erkennen wir den ungeheuren Wert von Wasser und sind dankbar um jeden Tropfen, der es in unser Reservoir schafft. Denn ohne Wasser kein Essen & Trinken, kein sauberer Fußboden und auch keine Dusche bei 30° C im Schatten.

Letztes Wochenende machten wir einen Ausflug zu den Kikuletwa Hotsprings, eine Oase umgeben von Mangroven mitten in der trockenen Savanne. Das wahre Paradies im türkisen Wasser zu baden, nachdem wir monatelang nur wassersparend geduscht hatten.

Oase
Baden in den Kikuletwa Hotsprings

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