Boxenstopp

Wir fahren hier in Tansania einen Toyota, Landcruiser HJ75, Baujahr 1997, Hubraum 4,1l, 6 Zylinder, Kosename Cruisy. Eigentlich ist der liebliche Name nicht so passend, denn es ist ein großes, robustes Allradfahrzeug. Auf den Schotterpisten und im Busch ist er Zuhause und somit eins der besten Autos, das wir hier haben können. Auch wenn er mittlerweile auf Grund seines Alters und erlebten Strapazen an allen Ecken kleppert und scheppert, liegt er uns sehr am Herzen. Es war wiedermal an der Zeit, ihm etwas Gutes zu tun: Ölwechsel, eine undichte Dichtung am Motor austauschen, Spur neu einstellen und ein Relais zum Vorglühen einbauen.

Vorglühen
Manuelles Vorglühen ohne Relais

Mit den Ersatzteilen im Kofferraum machten wir uns auf zum Fundi Joackim, unser Automechaniker. Er war es auch, der uns beim Kauf unseres Cruisys beraten hatte. Die zwei kannten sich also bereits. Neu arbeitet er in einer Gemeinschaftswerkstatt am Stadtrand Arushas. Ein eingemauertes Grundstück, ca. 40 auf 150 Meter, ein Auto neben dem andern. Die einen Fundi lackieren Autos, andere stehen in einer Grube und reparieren sie und wieder andere schweißen nebenan Dachständer und Radhalterungen. Um die geparkten Autos schleichen junge Buben und warten auf Anweisungen der Älteren: Hier Werkzeug putzen, da Auto abkleben vor dem Lackieren, dort Auto waschen. Klare hierarchische Verhältnisse.

Joackim ist ein Kfz-Mechaniker, spezialisiert auf Landcruiser. Jene sind neben Landrover Defender das meist verbreitetste Fahrzeuge in der Region. Alles lief bestens bis Joackim auf eine Schraube stieß, die sich partout nicht öffnen ließ. Er ist ein großer, kräftiger Mann, der in seinem Leben bestimmt schon tausende Schrauben geöffnet hatte, doch hier kam auch er nicht weiter. Er zerrte hin und her. Erst als er sie mit einem Gasbrenner erhitzte, ließ sie sich lösen. Die Dichtung war dann rasch ausgetauscht und das Öl gewechselt.

Fundi_2

Am nächsten Morgen setzten wir uns ins frisch reparierte Auto und fuhren los zum Einkaufen. Doch wir kamen nicht weit. Nach knapp einem Kilometer machte es einen Rums. Peter schaltete das Auto sofort aus und brachte es zum Stehen. Motorhaube auf, reinschauen, Fehler suchen. Bald waren auch schon die ersten Schaulustigen da. Die meisten kannten uns vom Vorbeifahren und wollten wissen, was los sei. Ja, was war denn los? Peter entdeckte den zerfetzten Zahnriemen. Das sah nicht gut aus. Yvonne als Laie konnte sich erinnern, dass man den Riemen letztes Jahr nach dem Autokauf ausgetauscht hatte, weil man nicht sicher wusste, wie lange der schon drin war. „Wenn der reißt, kann der ganze Motor kaputt gehen“, lehrte sie Peter dazumal. Jetzt ist er tatsächlich gerissen. Ist nun der Motor im Eimer? Ach weh, böse Vorahnungen kamen auf. Hatte man am Tag zuvor zu arg an der Schraube rumgezerrt und den Riemen beleidigt? Hätte man vorsichtiger sein sollen? Besser kontrolliere sollen? Hätte, hätte Fahrradkette. Jetzt war´s zu spät für schlaue Sprüche. Wir ließen das Auto am Straßenrand stehen und gingen zu Fuß zurück nach Hause.

Motor1

Etwas später schleppte Amani zusammen mit Peter unseren schwerverletzten Cruisy ab. Zum Wenden wars zu schmal, so musste es rückwärts gehen. Fast schon am Ziel wurde Amani etwas übermütig und fuhr mit etwas zu viel Schwung durch Tor in unsere Einfahrt. Um ein Haar hätte Peter die Mauer neben dem Tor gerammt. Hier müssen wir vielleicht erwähnen, dass Peter bereits in Senegal Abschlepperfahrungen gesammelt hatte. 180 km (!!) weit hat ihn Emmanuel Nioke dazumal bis in die nächste Stadt gezogen. Ziegen und Affen ist er ausgewichen und hatte auch die Nerven behalten, als Emmanuel mit 80 km/h durch Dörfer bretterte.

Am nächsten Tag kam Joackim und schaute sich den Motor an. Er hätte schon mehrere Motoren mit zerfetztem Zahnriemen gesehen. Dieser hier sei den Umständen entsprechend in echt gutem Zustand. Da hätte deutlich mehr kaputt sein können. Es beruhigte uns zu wissen, dass er sich nicht zum ersten Mal an einen solchen Schaden herantraute. Dann wird er hoffentlich schon wissen, was er hier tut. Er baute den Zylinderkopf aus und nahm ihn mit nach Arusha. Dort wolle er neue Teile besorgen und alles wieder einstellen lassen.

Motor_2

Eigentlich wollte er am nächsten Tag kommen. Doch es wurde Abend und kein Fundi war da. Am Tag darauf wollte er gleich in der Früh kommen, er traf gegen Mittag ein. Alle Ein- und Auslassventile hatte er ausgetauscht sowie die Kurbelwelle neu gelagert und eingestellt. Jetzt nur noch einbauen. An der einen Stelle fehlte eine Schraube. Also suchte man kurzerhand den Motor ab, wo man eine andere entbehren könnte. Zum Schluss war alles wieder fest und der Motor schnurrte wie ein Kätzchen.

Tisch

Die Geschichte ist glimpflich ausgegangen und wir holpern nun wieder in unserem Cruisy über Stock und Stein. Möge er uns noch viele tausend Kilometer weit bringen und uns die Schönheit Tansanias weiter entdecken lassen.

Tanzania

 

 

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