Hausfrau sein in Afrika

 

Bevor wir uns in Tansania niederließen, hatten wir bei unseren vorherigen Reisen bemerkt, dass viele Familien in Afrika Dadas (Hausmädchen) haben. Nicht nur besonders reiche Familien, sondern auch Familien der Mittelschicht, wie du und ich. Ich als Europäerin nahm dies als dekadent wahr. „Eigene Hausangestellte? Das ist etwas für Bonzen“, dachte ich. „Ich kann meinen Haushalt selber führen.“ Das war meine Meinung bis ich meinen eigenen Haushalt in Afrika zu bewältigen hatte.

Eine tansanische Bekannte hier traf den Nagel auf den Kopf, als sie meinte, wir Weißen hätten für alles Maschinen und Elektrogeräte. Hier in Tansania erledigen die Frauen die Arbeit der Maschinen. Staubsauger, Geschirrspülmaschine, Waschmaschine oder Thermomix, wir Frauen in Europa haben tatsächlich einige Geräte, die uns die Arbeit im Haushalt erleichtern oder gar ganz abnehmen.

Hast du dir schon mal vorgestellt, wie es wäre, die Kleider der ganzen Familie von Hand zu waschen? Die grasverschmierten Hosen der Kinder oder die Arbeitskleider des Mannes? Wenn du Pech hast, kannst du vorher noch das Wasser beim Brunnen holen, weil du Zuhause kein fließendes Wasser hast.

Brunnen

Auch Putzen ist eine andere Nummer hier. Das Leben spielt sich viel draußen ab, die Türen und Fenster sind weit offen. Der Wind weht Staub und Insekten ins Haus. Die Füße stecken den ganzen Tag in Flipflops; ins Haus geht man barfuß. Jeder kann sich vorstellen, was für eine Spur man auf dem Boden hinterlässt. Tägliches nass wischen lässt sich kaum vermeiden. Wir „Spießer“ haben mittlerweile Hausschuhe, um den gröbsten Dreck zu vermeiden. Wir mögen als „Bünzli“ angesehen werden, doch dazu stehen wir. So sparen wir uns immerhin jeden zweiten Tag das Wischen.

Anreiz fürs Putzen sind jedoch die schönen bunten Kangas. Kangas sind farbige Stofftücher mit einem Spruch, die die Frauen als Schurz, Kleidungsstück oder auch zum Tragen der Kinder verwenden. Der einzige Haken: Sie werden seitlich bloß eingeschlagen und machen sich deshalb, bei mir zumindest, immer wieder selbstständig und man / ich stehe „nackt“ in meinen Leggings da. Ich habe den Dreh also noch nicht ganz raus…

Eine weitere wichtige Aufgabe für alle Hausfrauen ist das Kochen. Ich koche wahnsinnig gerne und es macht mir viel Spaß, die tansanischen Gerichte auszuprobieren und mit lokalen Zutaten zu kochen. Das meiste ist auch gar nicht so schwer und schmecken tut eigentlich alles. Wenn da nicht das mühsame Verklauben der Zutaten wäre: Reis, Mais, Bohnen, Erdnüsse, alles wird relativ unverarbeitet auf dem Markt verkauft. Keine Maschine, die kleine Steinchen, Schalenreste oder Insekten ausreichend entfernt hätte. Wo wir wieder bei dem Spruch wären, dass in Afrika die Frauen die Maschinen ersetzten. Wohl wahr. Man nehme also seinen Ungo (geflochtener Bastteller) und kontrolliert Bohne um Bohne, Reiskorn um Reiskorn.

Ungo
Bohnen verlesen mithilfe eines Ungo.

Gekocht wird meistens auf offenem Feuer oder auf kleinen Kohleöfen. Wer meint, der Ehemann hat einen schönen Stapel Brennholz neben dem Ofen aufgeschichtet, der täuscht sich. Auch Brennholz machen und sich ums Feuer kümmern ist Frauensache. Mit der Axt und in Flipflop wird gekonnt Brennholz gehackt, was vorher natürlich erst besorgt werden muss.

Wenn alles vorbereitet ist, ist das Kochen an sich nicht weniger aufwändig. Viele Gerichte müssen mehrere Stunden köcheln und wer schon mal Ugali zubereitet hat, weiß, dass man sich anschließend den Gang ins Fitnesscenter für starke Oberarme sparen kann. Abends können die Frauen nicht wie wir im Allgäu auf eine schnell hergerichtete Brotzeitplatte zurückgreifen, nein, da wird wie Mittags nochmals warm gekocht.

 

Makande
Makande ist nichts für Kurzentschlossene: Der Mais und die Bohnen müssen 2-3 Stunden köcheln.

 

Wir haben noch nicht über die Kinder gesprochen, die von den Müttern viel Aufmerksamkeit abverlangen oder von der Feldarbeit, die gerade jetzt in der Regenzeit sehr intensiv ist oder vom Einkaufen ohne Auto. Haushalt und 100% arbeiten wie das in Europa für viele Frauen gang und gäbe ist, funktioniert hier nicht. Wie sollen sich die Frauen hier emanzipieren und finanziell von ihren Männern unabhängiger werden, wenn sie soviel zeitaufwendige Hausarbeit zu erledigen haben? Am besten allen eine Waschmaschine schenken? Zu teuer und zu unrealistisch in einem Land, wo 70-80% der Bevölkerung keinen Stromanschluss haben. Ein viel besserer Ansatz wäre wohl, die afrikanische Männerwelt auf den neusten Stand zu bringen: Würden alle mal kochen, wischen oder abwaschen wie Peter, dann hätten auch die Frauen hier etwas mehr Zeit und könnten vielleicht selbstständiger werden.

Marry
Frauen unter sich

Mittlerweile verstehen wir also, warum so viele Familien eine Dada haben und wenn wir es genau nehmen, zählt unsere Waschmaschine auch für ein Hausmädchen. Sind erstmal die Kinder da, werden wir wohl noch mehr Unterstützung brauchen und eine Dada mit offenen Armen empfangen. Wir mussten unsere Meinung revidieren und zukünftig werden wir wohl nicht mehr jeden, der Haushaltshilfen hat, als Bonz abstempeln, sonders verständnisvoll nicken.

Ein Hoch also auf alle Dadas, unsere Hausmänner und Waschmaschinen, die uns Frauen ein Leben außerhalb des Haushalts ermöglichen.

Ein Gedanke zu “Hausfrau sein in Afrika

  1. Haha!!! Ja, genau das hab ich mir auch gedacht 😉 bis ich kapiert hab wie lange einkaufen auf dem Markt, nach hause transportieren und das zubereiten dauert, anstelle in 15 min zum Lidl um die Ecke zu fahren und ne Ofenpizza zu kaufen. Haha!!!
    Naja, aber eines fällt mir da gleich ein. Air haben jeden Tag Gott gedankt für: das Gemüse I’m Garten, die Mitarbeiter die das Essen zubereiten, das Essen das uns gesund hält, usw. Doch wenn man in Deutschland vor einer Ofenpizza sitzt, fragt man sich für was man da beten solo 😉

    Liken

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