Müesli – regional und frisch

Ein guter Start in den Tag beginnt für Yvonne immer mit einem Birchermüesli. Haferflocken, ein paar Nüsse, Rosinen, Joghurt oder Milch und natürlich frisches Obst. Vielleicht liegt es daran, dass sie aus dem gleichen Land stammt, wie dessen Erfinder, Herrn Maximilian Oskar Bircher-Benner. Oder aber, und das ist wahrscheinlicher, hat sie diese Gewohnheit von ihrem Vater übernommen. So weit sie sich erinnern kann, isst er jeden Tag sein Müesli zum Frühstück (ungelogen!). Er ist noch etwas weniger anspruchsvoll als sie: Ihm reichen Haferflocken, eine Banane und etwas Milch. Seit Jahrzehnten ist das sein Frühstück und daran wird sich wohl auch zukünftig nichts ändern.

Was ziehen wir daraus? Yvonne braucht in Tansania ein anständiges Müesli zum Frühstück, sonst wird sie unleidig. Doch was für ein Schock, als sie im Supermarkt den horrenden Preis für Haferflocken und Rosinen sah. Eine Alternative musste her. Sie informierte sich bei ihrer „persönlichen Beraterin für tansanische Küche“, Angel. Diese meinte ganz unverständlich: „You want porridge? But porridge is for babies! Only babies eat porridge!“ Aber das war Yvonne egal, mochte sie für ein Baby gehalten werden, sie braucht ihr Müesli. Auf dem Markt zeigte Angel ihr dann, was sie für Gaby (ihren zwei Jahre alten Sohn) als Baby Brei verwendet. Natürlich konnte sie die verschiedenen Körner nicht auf Englisch benennen. Yvonne erkannte bloß den Mais, die Weizenkörner und Erdnüsse. Doch die restlichen sahen ein bisschen aus wie Quinoa oder Amarant vom Biomarkt, also mussten sie besonders gesund und öko sein. Angel erklärte Yvonne, wie sie die Körner weiter bis zur fertigen Müeslimischung zu verarbeiten hätte. Denn packfertig wie im Bioladen wird es hier noch nicht verkauft.

 

CheckAn einem Sonntagnachmittag machte sich Yvonne an die Arbeit. Als erstes inspizierte sie die Körner und Nüsse genauestens und sortierte kleine Steinchen, angefressene und faule Körner aus. Ganz wie Aschenputtel die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Anschließend wurde alles gewaschen und zum Trocknen in die Sonne gelegt. Tönt kinderleicht, ist es auch, doch auch sehr zeitintensiv. Als Yvonne damit fertig war, neigte sich auch der Sonntagnachmittag dem Ende zu.

Trocknen

Am Montag brachte sie die Mischung zur Mühle. Zum Glück wusste Yvonne von Angel, dass sie nicht zu viele Erdnüsse in die Müeslimischung geben durfte. Ansonsten hätte der Müller wohl das Mahlen aus Angst die Maschine zu verstopfen verweigert. Doch alles kein Problem, Yvonne konnte ihren Eimer voll Porridge mit nach Hause nehmen und freute sich schon aufs nächste Frühstück.

Mischung
Vor dem Mahlen

 

Mittlerweile weiß Yvonne auch, um welche Körner es sich tatsächlich handelt. Die Grundlage bildet Mais, dazu kommen Erdnüsse, Weizenkörner, Sojabohnen und Fingerhirse (Ulezi). Letztere sei besonders nahrhaft und gesund. Deshalb werden auch Kleinkindern damit gefüttert, damit sie groß und stark werden. Auch Frauen, die frisch entbunden haben und wieder zu Kräften kommen sollen, dürfen diesen Porridge essen. Alle andern, also auch Yvonne, sollten nicht zu viel davon zu sich nehmen. Denn zu viel von dieser nahrhaften Hirse mache dick. Was Angel wohl sagen würde, wenn sie wüsste, dass Yvonne sogar abends so ein Brei mampft? Bis jetzt passen die Hosen jedenfalls noch. Vielleicht ist es hier wie mit jedem anderen Nahrungsmittel auch: Die Menge macht´s aus.

 

FertigeMischung
Nach dem Mahlen

 

Das neue Müesli schmeckt Yvonne also ganz gut. Gekocht mit Milch und etwas Kardamom und Zimt lässt es die Haferflocken alt aussehen. Da sie ja viel Wert auf regionale Produkte legt, hat sie sich mittlerweile auch wieder auf ihre Wurzeln besonnen und schnippelt wie ihr Vater täglich eine Banane mit rein. Ja, die lieben Eltern, die wissen halt immer schon vor uns, was gut ist…

 

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